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#Forwarded: ada – eine Community an Zukunftsoptimist*innen

Aktualisiert: 15. Okt 2019

In der Rubrik #Forwarded stelle ich Konzepte, Studien, Kurse und andere Inhalte aus den Weiten des Netzes vor, die mich inspirieren, mir Orientierung im digitalen Dschungel geben und dem persönlichen Fortschritt dienen können – immer mit Bezug darauf, was besonders für Kommunikator*innen wissenswert und interessant ist. Hier gibt es mehr als eine simple E-Mail-Weiterleitung (Fwd: …), mehr als nur „FYI“.



Wir wollen trotz der omnipräsenten Beschleunigung zukunftsfit bleiben und den digitalen Wandel mitgestalten. Ich habe mir im Zuge dessen erstmal ein neues, entschleunigtes Print-Abo bestellt – kein Scherz. Und Du solltest das auch in Erwägung ziehen, denn mit ada hat ein Team der WirtschaftsWoche ein multimediales Konzept für die „Digitalpionier*innen von morgen“ entwickelt. Für die Ohren (Podcast), für die quadratischen Augen (Mail-Newsletter) und eben ganz klassisch für die Lesebrille, falls man denn schon eine braucht (Quarterly-Magazin).


Der Markt an medialen Angeboten zum digitalen Leben in Alltag und Beruf ist riesig geworden, ob im Web oder im Bahnhofskiosk. Alle Wirtschaftsmagazine, Tages- und Wochenzeitungen geben dann und wann Tipps für die Bewältigung der digitalisierten Aufgaben – und beraten ebenso oft zu Methoden des Digital Detox. Wieso soll gerade ada dann für Kommunikator*innen das gewisse Extra bieten können, was die anderen Angebote nicht haben? Es könnte an der Handschrift der Gründungsverlegerin Miriam Meckel liegen, die zu meinen Vorbildern in der Kommunikationswelt zählt. Sie hat neulich im Podcast-Gespräch mit Christian Lindner über ihren Werdegang gesagt, dass die Kommunikation bei ihren so unterschiedlichen Tätigkeiten in Politik, Medien, Publizistik und Wissenschaft stets das verbindende Element gewesen ist. Ich finde, dass man das auch in ihren eigenen Texten und in der thematischen Ausrichtung von ada insgesamt merkt. Obwohl beispielsweise neue Technologien, Entwicklungen in verschiedenen Volkswirtschaften oder die philosophische Auseinandersetzung mit der Zukunft die Inhalte vordergründig prägen, ist eine Kommunikationsperspektive häufig erkennbar. Die Texte beziehen sich nicht ständig auf das Marketing – unsere Geschwister im Geiste, die aber durchaus mit einer anderen Brille auf KI & Co. blicken als wir – sondern lassen sich häufig in Relevanzbereichen der internen oder der gesellschaftsorientierten Unternehmenskommunikation verorten. So sind im Kontext der Reputation und der Fake-News-Debatte Gedanken über Vertrauen und Wahrheit zu finden, innerhalb der Organisationen wird der Bedarf an Empathie in digitalen Zeiten diskutiert. Auch Ethik im Zusammenspiel von Mensch und Maschine ist ein Thema, das für Kommunikationsverantwortliche nicht wegzudenken sein wird. Für uns Kommunikator*innen heißt das: mehr Relevanz und ein Mehrwert gegenüber anderen Angeboten, weil der Transfer der Essenz in die eigene Lebens- und Berufsrealität dann leichter fällt. Dass eine digitale Bildung in der Breite ohnehin nicht schaden kann, damit gehen wohl alle d‘accord.



Hier ein paar Dinge, die ich bei der Lektüre als besonders spannend empfunden habe:


Metaphern als gedankliche Verbindung zwischen digitaler und analoger Welt

Die Redakteure verstehen es ausgesprochen gut, die schwer greifbaren, immateriellen Digitalwelten in neue Kontexte zu setzen und damit neue Blickwinkel auf die Transformation zu ermöglichen. Gute Beispiele sind der Rorschachtest (wie beeinflusst der Blick der Menschheit auf KI ihre Ausgestaltung?) oder „Serendipity“ (dt. Serendipität) als Bezeichnung für eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, die sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Letztere gibt es als eigene Rubrik in jedem Heft und jedem Newsletter. Ein schöner Grundgedanke, der das klassische „Wer nicht sucht, der nicht findet“ in der Tiefe der Digitalität auf eine neue Ebene hebt.


Die Stärken und Schwächen Europas in der digitalen Welt

Silicon Valley? Klar. Shenzhen? Auch mehr als im Kommen. Aber wo die digitalen Hotspots unseres Kontinents sind und – viel wichtiger – wie unsere Kompetenzen und unser gesellschaftspolitisches System sich von China und den USA unterscheiden, das beschreibt ada in verschiedenen Beiträgen sehr genau. Besonders gut gefällt mir, dass nicht nur wie üblich auf den Rückstand Europas hingewiesen wird, sondern Wege aufgezeigt werden, wie wir diesen aufholen können. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt:


Optimismus und Ambition statt Techlash

Die Ausrichtung von ada ist spürbar zukunftsoptimistischer als andere Publikationen. Das gelingt vor allem durch klare Benennung von gegenwärtigen und anstehenden Hürden (ein beunruhigendes Beispiel: die Möglichkeiten von Deep Fakes in Video und Audio) in Kombination mit dem Rüstzeug, das es braucht, um diese überspringen zu können (selbes Beispiel: Anwendungen, die Deep Fakes identifizieren können und Menschen, die zur Verbesserung der Digitalkompetenz der Bevölkerung beitragen). Beim Lesen von ada spüre ich eine Freude an Technologie, bekomme Lust auf eigene Innovationen und die Mitarbeit an den ambitionierten Aufgaben, die heute schon vor uns liegen. Apropos Innovation: Das ist den Autor*innen zufolge die „härteste Währung der Wissensgesellschaft“, die nur die stetige Bestrebung nach Erneuerung belohnt, aber damit auch immer Chancen für jeden Einzelnen eröffnet. That’s the spirit!


Auswahl an Interviewgästen und Gesprächspartner*innen

Einen Thrillerautor wie Frank Schätzing gemeinsam mit einer Innovationsmanagerin der Telekom zu interviewen ist schon ziemlich smart. In einem Bereich, wo Realität und Fiktion immer mehr verschwimmen und die KI-Phobien vieler Mitbürger*innen wohl stark von Terminator und Co. zehren, ergibt das eine Konstellation, die mir bisher so noch nicht untergekommen ist. Auch sonst zitieren die Redakteure in ihren Beiträgen viele wichtige Player aus verschiedenen Branchen und und pflegen Kontakt zu führenden Wissenschaftlern – Ausgangspunkte für weitere Recherchen sind also reichlich vorhanden.


Neben den Medienangeboten führt ada gemeinsam mit Partnerunternehmen auch ein einjähriges Fellowship-Programm durch. Zunächst 400 Fellows sollen auf der „Bildungs- und Entdeckungsreise“ in technischen und ideellen Skills weitergebildet werden und anschließend in ihren Unternehmen als eine Art Corporate Influencer wirken. Im Optimalfall soll laut der Redaktion damit ein kleiner Beitrag zu einem „neuen deutschen Wirtschaftswunder“ geleistet werden. Ambitioniert, aber warum denn nicht? Das Programm klingt in der Beschreibung gar nicht so sehr anders als eine der Zieldimensionen in meinem ersten Beitrag auf diesem Blog, als ich über Immersion in der Sprachwissenschaft und die Bedeutung von Gebrauch statt Instruktion sprach. Hoffen wir mal, dass unter den Fellows auch einige Kommunikator*innen zu finden sind. Zumindest werden sie helfen können, den Transfer ins Unternehmen möglichst effektiv zu begleiten. Das wird eine unserer wichtigsten Aufgaben der Zukunft sein.


Die ada-Redaktion begründet die Entscheidung für ein Printmagazin übrigens damit, dass sich Zukunft dadurch auch haptisch „begreifen“ ließe. Wie steht ihr zu Print? Aus meiner Sicht hat es noch einen ganz anderen Vorzug: Wie gut tut der Blick in gedruckte Zeilen, wenn man sonst den ganzen Tag auf Bildschirme von klein bis groß schauen muss. Wenn da nicht die vielen Tipps im Newsletter wären wie der kostenlose Online-Grundkurs zu KI von der Uni Helsinki... naja, diesen Tab jedenfalls gern gleich schließen. Ich wünsche eine gute Lektüre – join ada!